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18.11.2017 00:24:40


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LESETIPP Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse (26.9.2017)

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse / Thomas Meyer. – Salis, 2012. – ISBN 978-3-905801-59-0

Im Gestell unter: MEYE Buch Belletristik Erwachsene, auch als eBook und Hörbuch verfügbar.

Zum Inhalt:

Motti Wolkenbruch lebt noch immer zu Hause, mit seiner geschwätzigen mame und seinem tate, der es seit längerem vorzieht zu schweigen und sich am liebsten hinter der aktuellen Ausgabe des "Tacheles" versteckt. Die zufällige Begegnung mit einer hübschen Schickse wirft Mottis Leben aus der Bahn; ihm wird bewusst, dass er in seinen Kreisen kein Liebesglück finden wird. Und je mehr seine mame auf ihn einredet, umso stärker regt sich in ihm der Wunsch nach einem mamefreien Leben in den Armen ebendieser Schickse. Schritt für Schritt, manchen auch zurück, tritt Motti aus der orthodoxen Welt heraus in die säkulare, was auch grundlegende Veränderungen an seinem Äusseren mit sich bringt - der Bart kommt ab und die zu kurzen, schwarzen jüdischen Hosen machen modischen Jeans Platz.

Lesetipp von Verena Menz:

Aus aktuellem Anlass – der Roman wird gerade in Zürich verfilmt – habe ich dieses Buch nun mit einiger Verspätung und grossem Vergnügen gelesen. Die Geschichte von Mottis Befreiung aus den starren Regeln des orthodoxen Judentums und insbesondere aus der Bevormundung durch seine resolute "mame" ist äusserst unterhaltsam geschrieben und bleibt durchweg spannend.
Motti (eigentlich Mordechai) wächst in Zürich auf und besucht dort auch die Uni, wo er unvermeidlich in Kontakt mit Nichtjuden (die weibliche Form davon heisst eben "Schickse") kommt und infolge dessen neue Welten entdeckt. Weil er sich den von seiner mame präsentierten Heiratskandidatinnen hartnäckig verweigert, wird er schliesslich zum Rabbiner geschickt, der ihm eine Reise nach Israel verordnet: Dort soll er in kurzer Zeit die passende Frau finden. Es kommt dann aber ganz anders…
Motti ist ein sehr sympathischer und humorvoller junger Mann, dem man nur das Beste wünschen kann. Unweigerlich fiebert man mit bei seiner schrittweisen Selbstfindung. Wegen der vielen jiddischen Ausdrücke, die im angehängten Glossar nachzuschlagen sind, ist das Buch nicht ganz einfach zu lesen, lohnt sich aber auf jeden Fall: Ein eigentlich ernstes Thema mit viel Humor verhandelt.

Buchcover Wolkenbruchs wunderliche Reise...
 

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