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SEHTIPP unerhört jenisch (13.12.2017)

Die Schweizer Musikdokumentation "unerhört jenisch" mit Stephan Eicher / Regie: Karoline Arn und Martina Rieder. - Frenetic Films, 2017. - EAN 7619965025985

Im Gestell unter: 780.4 E/DVD Sachfilme

Zum Inhalt:

Im Film "unerhört jenisch" suchen die Brüder Stephan und Erich Eicher ihre musikalischen und familiären Wurzeln in der jenischen Kultur. Die Spur führt in die Bündner Berge, zu den einst zugewanderten Familien Moser, Waser und Kollegger und ihrer legendären Tanzmusik. Die Familien leben eine faszinierende und leidenschaftliche Musiktradition. Sie prägt die Schweizer Volksmusik, sucht den Blues, brilliert als Chanson oder rebelliert im Punk. Der Film erzählt aber auch eine bis anhin ungehörte Geschichte mit vielen Facetten und Tonlagen.

Sehtipp von Ursula Gerber:

Viel musiziert wird in diesem Film - und ich bin normalerweise kein Fan von Schweizer Volksmusik. Hier gefällt mir aber die Musik und es wird ausgelassen getanzt in den Beizen zu der Musik der Obervazer Töbelifäzer, Bündner Spitzbueba, Moser Buaba oder Vazer Buaba. Allesamt spielen sie eine immense Rolle im Gemeinschaftsleben und allesamt sind sie jenischen Ursprungs.

Doch darüber reden will kaum einer. In Vaz/Obervaz, worauf der Film seinen Fokus legt, wird die Bezeichung "jenisch" noch heute als schlimme Beleidigung aufgefasst, und die Interviewten scheinen oftmals leicht verklemmt. Zu stark prägte sie die Geschichte ihrer Stammväter. So bringt "Unerhört Jenisch" zwangsläufig die Gräueltaten des rassistischen Separatismus zur Sprache, die die Jenischen ereilte und bis vor wenigen Jahrzehnten noch dazu führte, dass (Klein-)Kinder der Familie ohne Begründung weggenommen und aufs Übelste misshandelt wurden. Man fühlt sich betroffen und bisweilen sogar etwas schuldig. Dann aber springt der Film wieder in die Gegenwart und das Schuldbewusstsein ändert sich und wird zur Verbundenheit mit dieser faszinierenden Bevölkerungsgruppe.

Stephan Eicher erzählt frisch und frei von seiner Suche nach seinen jenischen Wurzeln und drängt sich nie in den Vordergrund, während sein Bruder Erich die Stammbücher des Nationalarchivs durchkämmt. Der Film entlässt einen mit einer neugewonnenen, tiefen Sympathie für diese Kultur. Höchste Zeit also, dass man darüber spricht. Umso mehr, als "unerhört jenisch" schliesslich verkündet, dass wesentliche Fundamente der Schweizer Volksmusik von der jenischen Musik abstammen.

DVD-Cover unerhört jenisch
 

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