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16.12.2019 03:06:22


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LESETIPP Geh, wilder Knochenmann! (12.10.2019)

Geh, wilder Knochenmann! / Werner Ryser. - Cosmos Verlag, 2019. - 978-3-305-00477-5 

Im Gestell unter : RYSE Buch Belletristik Erwachsene

Zum Inhalt

Als der elfjährige Simon am späten Nachmittag des 20. Septembers 1859 aus der Dorfschule nach Hause kommt, ist die Wohnstube des Auenhofs voller Menschen – Mägde, Knechte, Nachbarinnen, Nachbarn. Sie treten zur Seite und öffnen ihm eine Gasse. Der Vater liegt auf dem Tisch. Seine Kleider zerrissen und schmutzig, sein blutverkrustetes Gesicht bleich..(Klappentext)

Der Roman erzählt die Geschichte der drei Diepoldswiler Geschwister, die früh ihre Eltern verlieren und damit auch ihr Zuhause, den Auenhof in Langnau. Das Leben der drei Kinder ändert sich schlagartig zum Schlechten. Esther muss dem neuen Besitzer als Magd dienen und wird von ihm missbraucht. Jakob der künstlerisch begabte Junge hat Glück und wird vom Pfarrehepar aufgenommen, das ihn fördert. Simon, der Jüngste, eigentlich der Erbe des Auenhofes, wird verdingt und in der neuen Familie misshandelt. Doch Simon lässt sich nicht brechen. Er träumt davon, dass er in einem Land jenseits der Berge sein Glück finden würde. Am 18. Mai 1866 bricht er zusammen mit seinem Bruder von Langnau nach Georgien auf. Die Reise ist lang und von vielen Krankheiten geprägt. Nur Simon erreicht sein Ziel in Georgien und kann ein neues Leben beginnen.

Lesetipp von Susanne Burkhalter

Werner Ryser greift bei seinem neusten Roman wieder einmal in die historische Geschichtenkiste. 

Zu Gotthelfs Zeiten gestaltete sich das Leben im Emmental selten einfach. Machtmissbrauch der Behörden, das Elend der Verdingkinder und die beschwerlichen Reisen in ein neues Land gehörten zur Tagesordnung. Werner Ryser führt uns mit seiner gradlinigen Sprache durch die Tiefen und Höhen der Lebensgeschichten der drei Geschwister vom Auenhof. Der Leser schliesst die drei Protagonisten sofort ins Herz und trauert darum auch bald um Esther und Jakob. Wie es schon im Buchtitel steht, ist der Tod allgegenwärtig. Dies hielt mich aber selber nie vom Weiterlesen ab! Denn so nebenbei erfährt der Leser viel Wissenswertes zur Geschichte des Emmentals, zu Schiffsbau und -fahrt auf der Donau und zur medizinischen Versorgung des 19. Jahrhunderts.

Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne gut recherchierte, historische Romane lesen und auch die Schilderungen der dunklen Seiten dieser vergangenen Zeiten gut vertragen.

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